TRADERS Magazin: Ein Jahr nach dem Franken-Schock

TRADERS-Magazin: Ein Jahr nach dem Franken-Schock

​Lesen Sie im aktuellen TRADERS Magazin (Forex-Spezial 01.2016) einen Artikel von unserem Geschäftsführer Thomas Busch über den Franken-Schock und was die Marktteilnehmer daraus gelernt haben.

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Donnerstag, 15. Januar 2015. Gegen 10:30 Uhr zentraleuropäischer Zeit gibt die Schweizerische Notenbank (SNB) völlig überraschend den Franken-Kurs frei.

Seit September 2011 hatte sie aufgrund massiver Franken-Käufe und der damit verbundenen Aufwertung den Mindestkurs gegenüber dem Euro auf 1,20 festgelegt. Sie wollte damit die eigenen Exporte schützen und eine Abwanderung heimischer Wirtschaftsunternehmen verhindern. Daher war der Schritt unerwartet und erschütterte die Märkte. In diesem Artikel geht es darum, was seither passiert ist und was die Marktteilnehmer daraus gelernt haben.

Die überraschende Freigabe hatte zur Folge, dass der Kurs – zuvor noch knapp über 1,20 – schlagartig massiv einbrach. Für private und institutionelle Händler, die den Schweizer Franken über Broker und Banken handelten, bedeutete dies teils erhebliche Verluste. Wenn überhaupt ein Handel stattfinden konnte, wurden Kurse von unter 0,85 notiert; der Euro verlor gegenüber dem Schweizer Franken kurzzeitig fast 30 Prozent an Wert. Gegen Abend des 15. Januar 2015 notierte der Schweizer Franken dann auf Parität zum Euro (1:1). Es gab sogar Broker, die die am 15. Januar 2015 getätigten Geschäfte mit dem Schweizer Franken nachträglich berichtigten oder stornierten.

​Die Auswirkungen auf die Welt des Devisenhandels wurden schnell bekannt. Gerüchte verbreiteten sich binnen Stunden. Broker seien in finanzielle Schwierigkeiten geraten, manchen drohe die Insolvenz. Foren füllten sich mit Beiträgen. Zum größten Teil wurde von Negativsalden und Forderungen seitens des Brokers gesprochen. Es herrschte Chaos an den Märkten und bei vielen Tradern auch zu Hause. Einige waren im Ausblick auf ein „sicheres“ Geschäft so hoch gehebelt, dass der Kurssprung zu Existenz bedrohenden Negativsalden führte. Privatinsolvenzen wurden offen diskutiert.

​Tatsächlich hat es Insolvenzen bei Brokern gegeben. Einige kleinere, aber auch namhafte Broker mit weltweiten Repräsentanzen verschwanden von der Bildfläche. Andere, laut eigener Aussage führende Broker, benötigten kurzfristig Kredite, um überleben zu können. Aktienkurse von Brokern brachen innerhalb weniger Tage um bis zu 90 Prozent ein. Es wurde von Übernahmen gesprochen.

​Warum der große Knall?

​Wie konnte es überhaupt so weit kommen? In der Erwartung, ein absolut sicheres Geschäft zu tätigen, hatten sich seit 2011 mehr und mehr Händler darauf verlassen, dass die SNB ihr Versprechen halten würde – für immer. Besser noch, um es „der Welt“ zu zeigen, sollte die SNB am besten den Mindestkurs auf 1,25 bis 1,30 festsetzen. Als Folge wurden immer größere Positionen aufgebaut, die auf eine weitere Abwertung des Schweizer Frankens setzten. Stopp-Orders für den Fall der Fälle wurden knapp unter 1,20 gesetzt, aber einige handelten auch ganz ohne Absicherung.

​Denn wozu überhaupt einen Stopp setzen, wenn doch die SNB den Mindestkurs selbst festgesetzt hatte und immer wieder verteidigte? Alle Anzeichen für einen möglichen Ausstieg der SNB wurden ignoriert. Das Goldreferendum im Herbst 2014 zum Beispiel. Oder die Tatsache, dass einige Broker die Margin-Anforderung für die Trades im Schweizer Franken deutlich erhöhten.

​Viele Händler, egal ob privat oder institutionell, verschliefen diese Warnzeichen. Broker ohne eigenen Handels-Desk, die für den direkten Marktzugang die Kundenorders an einen Pool von Liquiditätsanbietern durchleiten, verließen sich darauf, zu 100 Prozent (oder zumindest zu einem erheblichen Teil) darüber abgesichert zu sein.

​Keiner erinnerte sich mehr daran, wie der Schweizer Franken im September 2011 von ungefähr 1,12 im nächsten Moment mit deutlich über 1,20 zum Euro notierte. Das Gap war damals größer als 800 Pips. Die Market Maker – also jene Broker mit eigenem Handels-Desk – waren meist diejenigen, die die Margin-Anforderungen erhöhten. Ob dies der gebotenen Vorsicht oder der Angst vor eigenen Verlusten geschuldet war, bleibt offen.

​Glücklicherweise kamen die meisten Privat-Trader mit einem blauen Auge davon und viele Broker buchten ihnen die Negativsalden aus, was viele Privatinsolvenzen verhinderte. Die Verluste von institutionellen Kunden blieben. So hat zum Beispiel ein großer Hedgefonds alleine mit der Franken-Krise über 800 Millionen US-Dollar verloren und wurde wertlos. Die Privatkunden, die weniger Glück mit ihrem Broker hatten, sehen sich teils heute noch heftigen Forderungen nach Ausgleich der Negativsalden ausgesetzt.

​Nichts daraus gelernt?

​Es bleibt festzustellen, dass das Beben nach der SNB-Entscheidung keine nachhaltigen Fortschritte gebracht hat. So schlimm es sich anhören mag, speziell für diejenigen, die infolge der Franken-Krise viel Geld verloren haben – der Crash führte nicht zu einem Lerneffekt. Die Mindesteinlagen sind immer noch klein. Man hat keinen Puffer, keine Rücklage und der kleinste Rückschlag führt zur Pleite. Die Hebel sind auch immer noch hoch. Je höher der Hebel, desto höher die Chance des Verlustes.

​Es liegt also an den Tradern selbst, sich besser zu informieren. Wenn man es richtig angeht, bietet der Handel mit Devisen und CFDs durchaus Chancen. Augen auf bei der Broker-Wahl! Wägen Sie genau ab, bei welcher Art von Handelspartner Sie mit Devisen traden.

​Fazit

​Die heutige Generation ist die erste in der Geschichte, die wiederholt und in immer kürzerer Folge Crash-Situationen hinnimmt oder selbst heraufbeschwört. Im Jahr 1929 gab es den sogenannten „Schwarzen Donnerstag“, in dessen Folge die Weltwirtschaftskrise ausgelöst wurde. Im Oktober 1987 war die Zeit für den ersten Börsencrash nach dem zweiten Weltkrieg gekommen; 2002 der „Neue Markt“. Im Jahr 2007 begann die globale Banken- und Finanzkrise als Teil der Weltwirtschaftskrise, die im Sommer 2007 als US-Immobilienkrise (auch Subprime-Krise) ihren Ursprung und ihren Höhepunkt im Jahr 2008 mit dem Zusammenbruch der US-Großbank Lehman Brothers fand.

​Ferner lassen sich die Euro-Krise aus dem Jahr 2010/2011 oder die Griechenland-Krise nennen. Immer wieder scheint es so, dass Anleger (privat wie institutionell), Anbieter (Broker, Banken) und die Big Player (Fonds, Versicherungen, Hedgefonds) aller Risiken und gemachten Erfahrungen zum Trotz zu schnell auf einen Zug aufspringen, in der Hoffnung, in kürzester Zeit enorme Gewinne zu realisieren. Einzig und allein bei ihren Aussagen sind einige Broker vorsichtiger geworden, dass der Kunde höchstens seine Einlage verlieren könnte. Regulatorisch hat sich auch nichts geändert – zumindest nichts, was Auswirkungen für den Privatkunden gehabt hätte.

Natürlich gehen wir heutzutage mit den Begriffen Krise, Katastrophe und Börsencrash inflationär um. Aber die jüngste Vergangenheit zeigt, dass wir die gleichen Fehler immer wieder in immer kürzeren Abständen machen. Wer sich diese Tatsache zunutze macht, kann richtig profitieren.

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